Hohe Spritpreise – Nur Problem der Autofahrer?

Dass steigende Benzinkosten ausschliesslich Autofahrer treffen, ist leider ein ziemlich folgenschwerer Irrtum. Spritpreise treffen uns alle, also bei weitem nicht nur die Autofahrer. Alles, was über die Strasse transportiert wird, verursacht Benzinkosten. Steigende Transportkosten kalkuliert der Handel allerdings in seine Grosshandelspreise bis Einzelhandelspreise mit ein. Dadurch wird selbstverständlich und ganz automatisch auch alles teurer, was über die Strasse transportiert werden muss.

Doch die reinen Benzinkosten sind auch nur ein Teil der Wahrheit. Zusätzlich betreffen die zur Benzinpreiserhöhung beitragenden  CO2-Abgaben auch die Industrie, Handel und Dienstleister durch Energiekosten für Produktion und Licht-, wie Heizkosten.  Auch hier kalkuliert man alles, was teurer wird, natürlich in die Leistungs- und Abgabepreise mit ein und diese werden von jedem Glied der Kette erhöht und weitergegeben, bis sie beim Verbraucher ankommen. Der Endverbraucher zahlt einmal die komplette Zeche aller Verteuerungen und dann auch wegen höherer Endpreise auch eine höhere Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer).

Für Industrie und Handel sind Kalkulationswerte und Steuern lediglich so genannte “durchlaufende Posten”. Der Endverbraucher ist der letzte in der Kette und bezahlt alles.

Mit Gaspreisen hat man in Deutschland wegen langfristiger Lieferverträge mit Russland noch Glück, denn die Preise stehen vertraglich ebenso langfristig fest. Muss aber Gas auf dem freien Markt eingekauft werden, so liegt der Preis derzeit etwa in fünffacher Höhe dessen, und zwar für Gas aller marktpräsenten Anbieter und mit aktuell täglich steigender Tendenz.

Beim Verbraucher kommen etwa vergünstigendere  Umstände allerdings regelmässig nicht an, weil hier trotz niedriger Einkaufspreise etwa für russisches Erdgas der Gaspreis gesetzlich an den Ölpreis gekoppelt ist. Der Gaspreis für den Verbraucher steigt also auch dann, wenn der Erzeugerpreis deutlich fällt bzw. stabil bleibt.

Auch das Erdgas ist teilweise wichtig für Energieerzeugung, denn mehr als 12% unseres Stroms wird über Erdgas gewonnen. Der Bedarf an Strom steigt ständig, die Infrastruktur ist marode, die kostengünstigen Kohlekraftwerke werden abgeschaltet und Kernkraft ist bereits weitgehend heruntergefahren. Deutschland verbraucht weit mehr Strom, als es selbst produzieren kann, muss also Energie  im Ausland einkaufen. Dort kauft man aber keinen grünen Strom, sondern Atom- und Kohlestrom. Nun ist allerdings allgemein bekannt, dass Eingekauftes nahezu immer teurer ist als selbst Produziertes. Das macht aber auch nichts, zahlt ja alles der Verbraucher und je mehr der zahlen muss, desto mehr Steuern und Abgaben kommen noch drauf.

Es geht also bei weitem nicht nur um höhere Benzinpreise, sondern ganz allgemein um höhere Kosten für Energie, die zeitgleich teurer und knapper wird und damit die Preisspirale in nahezu allen Bereichen des Lebens aufwärts dreht. Aber keine Bange, unser Geld ist nicht weg, es wechselt nur den Besitzer…

[ad]